Horizontalsperre – warum dieses Thema seit über 100 Jahren bekannt ist

Eine Horizontalsperre ist nichts Neues. Schon vor über hundert Jahren wusste man im Bauwesen, dass Feuchtigkeit aus dem Erdreich kapillar im Mauerwerk nach oben steigt und irgendwann gestoppt werden muss.

Solche Konstruktionen begegnen uns im Bestand häufig – etwa in Stuhr, Weyhe (Kirchweyhe/Leeste), Brinkum, Groß Mackenstedt, Heiligenrode sowie im Bremer Süden (Huchting/Kattenturm).

Die Lösung war damals klar und nachvollziehbar: eine mechanische Trennung im Mauerwerk. Dafür wurden Sperrschichten aus Glas, Schiefer oder Metall eingesetzt. Diese lagen sichtbar im Wandaufbau, waren dauerhaft und funktionierten unabhängig von Marketing oder Produktnamen.

Das Grundprinzip ist also nicht falsch – im Gegenteil. Eine kapillare Feuchtewanderung lässt sich nur dann sicher unterbrechen, wenn es eine echte Trennung gibt. Genau daran hat sich bis heute nichts geändert.

Problematisch wird es erst dort, wo heute behauptet wird, man könne dieses physikalische Problem mit Flüssigkeiten, Gelen, Cremes oder Druckversprechen einfach „einspritzen“. Der Anspruch klingt modern, die Bauphysik dahinter ist es nicht. Denn eine chemische Lösung ersetzt keine mechanische Trennung. Genau an diesem Punkt beginnen die Schwierigkeiten moderner Horizontalsperren – nicht im Prinzip, sondern in der Umsetzung

Unsere grundsätzliche Haltung zu Feuchtigkeitsschäden und Abdichtung haben wir auch auf unserer Startseite klar dargestellt.

 

Früher wurden Horizontalsperren mechanisch gedacht – sichtbar, nachvollziehbar und dauerhaft.

Das Grundproblem: heutiges Mauerwerk ist nicht massiv

Viele Keller – besonders im norddeutschen Raum – bestehen nicht aus massivem Vollstein. Stattdessen trifft man häufig auf Kalksandstein mit Lochkammern, hochporöse Ziegel, wechselnde Mörtelqualitäten und Wandaufbauten, die im Laufe von Jahrzehnten mehrfach verändert oder ausgebessert wurden. Hinzu kommen Risse, Hohlräume und Flickstellen, die das Mauerwerk in sich ungleichmäßig machen.

Gerade in Bremen, Stuhr und Umgebung sind zudem stark saugende, vergleichsweise weiche Materialien weit verbreitet. Diese Wandaufbauten verhalten sich nicht homogen. Feuchtigkeit verteilt sich nicht gleichmäßig, sondern sucht sich immer neue Wege durch Kammern, Fugen und Fehlstellen. Genau das ist die Realität auf der Baustelle – unabhängig davon, wie ein Verfahren beworben wird.

Wer behauptet, man könne solche Mauerwerke flächig, gleichmäßig und dauerhaft mit Flüssigkeiten „absperren“, ignoriert diese baulichen Gegebenheiten. Denn ein inhomogenes Wandgefüge lässt sich nicht nachträglich in eine geschlossene, durchgehende Sperrebene verwandeln. Genau hier liegt das eigentliche Grundproblem moderner Horizontalsperren: Nicht das Ziel ist falsch, sondern die Annahme, heutiges Mauerwerk verhalte sich wie ein massiver, gleichförmiger Baustoff.

 

Unterschiedliche Wandmaterialien im Keller – gemauerte Wand mit Materialwechsel aus Stein und Ziegel
Unterschiedliche Materialien und Wandaufbauten im selben Keller – eine gleichmäßige Sperrebene ist so technisch kaum möglich.

Injektion, Gel, Creme, Paraffin – warum das physikalisch nicht funktionieren kann

Ganz gleich, wie die Verfahren genannt werden – Gel-Injektion, Pur-Harz, Creme-Injektion, Paraffin, hydrophobierende Harze oder Reaktionsgele – das Grundprinzip ist immer dasselbe. Eine flüssige oder pastöse Substanz soll in ein ungleichmäßiges, saugendes Mauerwerk eingebracht werden und dort eine durchgehende, horizontale Sperre bilden. Der Anspruch klingt technisch, scheitert jedoch an der Realität des Baustoffs.

Injektionsversuch mit Gel im Mauerwerk – Feuchtigkeit verteilt sich unkontrolliert trotz angeblicher Horizontalsperre
Das Injektionsgel bildet keine durchgehende Sperre. Feuchtigkeit sucht sich weiterhin eigene Wege durch das Mauerwerk und tritt unkontrolliert aus.

 

Flüssigkeiten verhalten sich nicht steuerbar. Sie suchen sich stets den Weg des geringsten Widerstands. In einem Mauerwerk mit Hohlräumen, Kammern, Rissen und wechselnden Materialien verlaufen sie unkontrolliert, sammeln sich in Teilbereichen und lassen genau dort Lücken, wo eigentlich eine geschlossene Sperre entstehen müsste. Eine gleichmäßige, flächige Verteilung ist unter solchen Bedingungen physikalisch nicht erreichbar.

Hydrophobierende Mauerwerksinjektion im Keller – Feuchtigkeit tritt trotz Injektionsbohrungen weiterhin aus dem Mauerwerk aus
Trotz hydrophobierender Injektion bleibt das Mauerwerk feucht. Das Wasser wird nicht gestoppt, sondern sucht sich weiterhin eigene Wege.

 

Ein anschauliches Beispiel macht das deutlich: Man kann einen Strohhalm von außen imprägnieren, doch das Loch in der Mitte bleibt offen. Genauso verhält es sich bei Lochsteinen und Kammermauerwerk. Die Substanz benetzt Oberflächen, erreicht aber nicht alle relevanten Bereiche gleichmäßig. Eine echte Trennung entsteht so nicht.

 

Injektionsbohrung mit Gel im Mauerwerk – Wasser tritt trotz angeblicher Horizontalsperre weiterhin aus
Das Injektionsgel sitzt punktuell im Bohrloch, während das Wasser darunter ungehindert weiterläuft. Eine durchgehende Sperre entsteht so nicht.

 

Das Problem liegt also nicht im Produktnamen oder im eingesetzten Material, sondern im Prinzip selbst. Eine chemische oder flüssige Einbringung kann eine mechanische Trennung nicht ersetzen. Wer dennoch behauptet, mit Injektionen eine sichere Horizontalsperre zu schaffen, setzt voraus, dass sich ein inhomogenes Mauerwerk wie ein homogener Block verhält – und genau das tut es nicht.

Imprägnierung ist keine Abdichtung

Viele moderne Verfahren werden als Horizontalsperre verkauft, sind in Wahrheit jedoch nichts anderes als eine Imprägnierung des Mauerwerks. Dabei werden die Poren des Steins wasserabweisender gemacht, sodass Feuchtigkeit langsamer aufsteigt oder sich zeitweise anders verteilt. Das kann kurzfristig zu einem trockeneren Eindruck führen, ändert aber nichts an der eigentlichen Ursache.

Eine Imprägnierung trennt nicht. Sie bildet keine durchgehende Sperrebene im Mauerwerk, sondern beeinflusst lediglich das Aufnahmeverhalten der Oberfläche. Die kapillare Feuchtewanderung wird verzögert, nicht unterbunden. Mit der Zeit verliert die Wirkung nach, Salze kristallisieren erneut aus, und die Feuchtigkeit sucht sich wieder ihren Weg.

Gerade bei älteren Kellern mit wechselnden Materialien, hoher Salzbelastung und ungleichmäßigem Wandaufbau führt eine Imprägnierung häufig dazu, dass sich das Problem verlagert. Die Wand trocknet scheinbar ab, während die Feuchte in andere Bereiche gedrückt wird oder später umso deutlicher zurückkehrt. Eine echte Abdichtung oder Horizontalsperre entsteht auf diese Weise nicht.

Wer Imprägnierung und Abdichtung gleichsetzt, verwechselt kurzfristige Effekte mit dauerhafter Funktion. Für eine nachhaltige Lösung reicht es nicht aus, das Verhalten der Oberfläche zu verändern – entscheidend ist eine tatsächliche Trennung im Wandaufbau.

In vielen Fällen ist eine umfassende Kellerabdichtung sinnvoller als eine isolierte Maßnahme wie eine Imprägnierung.

 

Sanierte Kellerwand nach Kernsanierung – Feuchtigkeit und Ausblühungen trotz ausgeführter Horizontalsperre sichtbar
Die Wand wurde im Zuge einer Kernsanierung erneuert, inklusive ausgeführter Horizontalsperre. Die Oberfläche wirkt saniert, dennoch zeigen sich erneut Feuchtigkeit und Ausblühungen. Die Ursache im Mauerwerk wurde nicht dauerhaft getrennt.

Hochdruckinjektion – wenn Marketing Physik ersetzt

Besonders häufig wird mit dem Begriff „Hochdruck“ gearbeitet. Große Zahlen sollen Eindruck machen und Sicherheit vermitteln. In der Praxis sagt der genannte Druck jedoch wenig über die tatsächliche Wirkung aus. Entscheidend ist nicht, wie hoch eine Zahl klingt, sondern wie sich ein Mauerwerk unter Belastung tatsächlich verhält.

Mauerwerk ist kein geschlossener, homogener Körper. Kalksandstein, Ziegel, Mörtel und Putz reagieren empfindlich auf Druck. Wird dieser zu hoch angesetzt, entstehen neue Risse, vorhandene Schwächen werden vergrößert oder das Gefüge wird nachhaltig geschädigt. Eine gleichmäßige Verteilung des Materials wird dadurch nicht besser, sondern unkontrollierbarer.

Extrem hohe Druckangaben sind daher kein Qualitätsmerkmal, sondern oft ein Warnsignal. Sie suggerieren technische Überlegenheit, ignorieren aber die Grenzen des Baustoffs. Ein Verfahren, das nur auf beeindruckende Zahlen setzt, ersetzt keine fundierte bauphysikalische Bewertung. Druck kann fehlende Struktur nicht ausgleichen und keine durchgehende Sperre erzwingen.

Wer mit Hochdruck wirbt, sollte erklären können, wie das Mauerwerk diesen Belastungen standhalten soll und wie eine kontrollierte, flächige Wirkung entstehen kann. Bleibt diese Erklärung aus, handelt es sich meist um Marketing – nicht um eine belastbare Lösung.

 

Hochdruckverpressung mit PUR-Harz im Keller – Wasser tritt trotz verfüllter Injektionsbohrungen weiterhin aus dem Mauerwerk aus
Bei diesem Bauvorhaben wurde versucht, das Mauerwerk mit PUR-Harz im Hochdruckverfahren zu verpressen. Die Injektionsbohrungen sind verfüllt, dennoch tritt weiterhin Wasser aus den Bohrlöchern aus. Harzreste auf dem Boden und an der Wand zeigen eine unsaubere Ausführung. Aus anfänglich feuchten Wänden ist ein nasser Keller geworden.

Warum man trotzdem so viele vermeintliche Erfolge sieht

Dass viele Verfahren zunächst als erfolgreich wahrgenommen werden, hat einfache Gründe. Nach einer Maßnahme wird fast immer alter, geschädigter Putz entfernt, die Wand trocknet oberflächlich ab und erhält einen neuen Aufbau. Frischer Putz, neue Beschichtungen oder ein neuer Anstrich sorgen dafür, dass die Fläche optisch trocken wirkt – unabhängig davon, ob die Ursache tatsächlich behoben wurde.

Feuchtigkeit im Mauerwerk verschwindet jedoch nicht über Nacht. Sie bewegt sich langsam, oft über Monate oder Jahre. Wird dieser zeitliche Verlauf ignoriert, entsteht schnell der Eindruck, das eingesetzte Verfahren habe funktioniert. Erst später zeigen sich erneut Durchfeuchtungen, Salzschäden oder Schimmel – häufig an anderer Stelle als zuvor.

Hinzu kommt, dass viele Gebäude ohnehin schwankende Feuchtebelastungen haben. Jahreszeiten, Heizverhalten und Nutzung beeinflussen das Wandklima erheblich. Kurzfristige Verbesserungen werden dann fälschlicherweise dem Verfahren zugeschrieben, obwohl sie bauphysikalisch erklärbar sind. Ein echter, dauerhafter Erfolg zeigt sich nicht nach Wochen, sondern erst nach Jahren – und genau daran scheitern viele dieser Methoden.

 

Frisch sanierte Kellerwand nach Sanierungsmaßnahme – Oberfläche wirkt trocken, erste Verfärbungen im Sockelbereich bereits sichtbar
Die Aufnahme zeigt den Zustand wenige Wochen nach Abschluss einer Sanierungsmaßnahme durch ein Franchise-Sanierungsunternehmen. Die Wand wirkt auf den ersten Blick trocken, im unteren Bereich zeigen sich jedoch bereits erste Verfärbungen und Feuchtespuren. Der Eigentümer wandte sich an uns, da die Maßnahme nicht den gewünschten Erfolg brachte und weiterhin Unsicherheit bestand, wie sinnvoll weiter vorzugehen ist.

Franchise-Systeme und Verkaufslösungen – warum wir davon nichts halten

Viele Anbieter arbeiten heute mit festen Systemen und vorgegebenen Verkaufslösungen. Der Ablauf ist dabei fast immer gleich: Das Gebäude wird in ein Schema eingeordnet, ein standardisiertes Verfahren angeboten und als universelle Lösung verkauft. Unabhängig davon, wie das Mauerwerk tatsächlich aufgebaut ist, welches Material vorliegt oder welche Belastung vorhanden ist.

Das Problem dabei ist nicht die Organisation, sondern die Denkweise. Ein System ersetzt keine Bauanalyse. Gebäude sind keine Produkte von der Stange. Gerade ältere Keller unterscheiden sich massiv in Aufbau, Material, Nutzung und Vorschädigung. Wer dennoch mit einem einzigen Verfahren für alles arbeitet, nimmt bewusst in Kauf, dass es im Einzelfall nicht funktionieren kann.

Viele dieser Systeme werden nicht aus handwerklicher Überzeugung eingesetzt, sondern aus Vertriebsgründen. Geschult wird nicht primär das Verständnis für Bauphysik, sondern der Verkauf des eigenen Produkts. Das Ergebnis sind Maßnahmen, die gut erklärt und gut verkauft werden, deren Wirkung jedoch oft hinter den Versprechen zurückbleibt.

Wir sehen solche Fälle regelmäßig: viel Aufwand, hohe Kosten, große Erwartungen – und am Ende bleibt das Problem bestehen. Nicht, weil Horizontalsperren grundsätzlich falsch wären, sondern weil ein Verkaufssystem nicht zwischen Theorie und Realität unterscheidet. Genau deshalb arbeiten wir nicht mit festen Systemen, sondern mit einer individuellen Beurteilung jedes einzelnen Bauwerks.

Viele dieser Versprechen halten einer fachlichen Überprüfung nicht stand, was wir in unserem Faktencheck ausführlich erläutern.

 

Kellerwand nach Sanierungsmaßnahme – standardisierte Ausführung mit erneuten Feuchtespuren im Sockelbereich
Die Aufnahme zeigt einen weiteren Bereich desselben Bauvorhabens wenige Zeit nach Abschluss einer Sanierungsmaßnahme. Die Ausführung folgt einem standardisierten Schema. Im unteren Wand- und Bodenanschlussbereich sind erneut Feuchtespuren sichtbar. Der Eigentümer suchte daraufhin eine weitere fachliche Einschätzung, da der gewünschte nachhaltige Erfolg ausblieb.

Horizontalsperre: richtiges Prinzip – falsche Methoden

Eine Horizontalsperre ist grundsätzlich sinnvoll.

Seit über hundert Jahren ist bekannt, dass aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk nur dann dauerhaft gestoppt werden kann, wenn sie horizontal unterbrochen wird. Das Prinzip ist richtig – und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Problematisch wird es dort, wo dieses Prinzip mit ungeeigneten Methoden umgesetzt wird. Gerade bei Altbauten werden häufig flüssige oder chemische Verfahren eingesetzt, etwa Paraffin, Gele, Verkieselungen oder PU-Harze. Diese sollen im Mauerwerk eine gleichmäßige Sperre bilden. In der Praxis scheitert das oft am tatsächlichen Wandaufbau.

Altbauten bestehen selten aus gleichmäßigem, geschlossenem Mauerwerk. Unterschiedliche Steine, wechselnde Mörtel, Hohlräume und Risse sorgen dafür, dass sich Flüssigkeiten nicht kontrolliert verteilen lassen. Die Folge sind punktuelle Wirkungen, Lücken in der Sperre und Feuchtigkeit, die nach einiger Zeit wieder sichtbar wird.

Eine funktionierende Horizontalsperre ist deshalb keine Frage des richtigen Produkts, sondern der richtigen Einschätzung. Entscheidend ist, ob das Verfahren zum Gebäude passt, ob die Ursachen verstanden wurden und ob handwerklich sauber gearbeitet wird. Genau hier trennt sich der Fachbetrieb von reinen Verkaufslösungen.

 

Warum viele moderne Verfahren bei Altbauten scheitern und worauf es bei einer wirklich passenden Horizontalsperre ankommt, erläutern wir in einer separaten Fachseite ausführlich.

Praxisbeispiel: viel Geld, kein Nutzen

Es gibt reale Fälle, in denen für eine angebliche Horizontalsperre mehrere tausend Euro investiert wurden – ohne nachhaltigen Erfolg. Die Maßnahmen wirken auf den ersten Blick aufwendig, werden technisch erklärt, mit Garantien versehen und als besonders hochwertig dargestellt. In der Praxis bleibt die erhoffte Wirkung jedoch aus oder hält nur kurze Zeit an.

Oft entsteht zunächst der Eindruck, das Problem sei gelöst. Alter Putz wird entfernt, neue Materialien aufgebracht, die Wand sieht trocken und sauber aus. Doch die eigentliche Feuchtebewegung im Mauerwerk bleibt bestehen. Mit zeitlichem Abstand zeigen sich erneut Durchfeuchtungen, Salzbelastungen oder Schimmel – manchmal an derselben Stelle, manchmal versetzt.

Besonders problematisch ist, dass solche Maßnahmen selten als gescheitert anerkannt werden. Statt die Ursache neu zu bewerten, wird nachgebessert, überarbeitet oder erneut beschichtet. Für den Eigentümer bedeutet das zusätzliche Kosten, Zeitverlust und wachsende Unsicherheit. Der hohe finanzielle Aufwand steht am Ende in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen.

Diese Beispiele zeigen deutlich: Eine teure Lösung ist keine Garantie für eine funktionierende Horizontalsperre. Entscheidend ist nicht, wie aufwendig oder überzeugend ein Verfahren präsentiert wird, sondern ob es zum Bauwerk passt und bauphysikalisch sinnvoll ist.

 

Kellerwand nach abgeschlossener Sanierungsmaßnahme – erneute Feuchte- und Verfärbungsspuren im Sockelbereich sichtbar
Die Wand wurde nach einer umfangreichen Sanierungsmaßnahme so übergeben. Trotz hoher Kosten zeigen sich erneut Feuchtigkeit und Verfärbungen im Sockelbereich – der Schaden wurde nicht dauerhaft gelöst.

Warum wir vieles bewusst anders sehen

Wir reden dieses Thema nicht schlecht, um uns besser darzustellen. Wir sehen es kritisch, weil wir die Ergebnisse seit Jahrzehnten in der Praxis erleben. Nicht im Prospekt, nicht im Schulungsraum, sondern in echten Kellern mit echten Schäden und echten Folgekosten.

Eine funktionierende Horizontalsperre ist kein Produkt und kein System, sondern eine bauliche Entscheidung. Sie muss zum jeweiligen Mauerwerk passen, den Wandaufbau berücksichtigen und technisch nachvollziehbar sein. Genau das fehlt bei vielen standardisierten Verfahren. Dort wird versucht, ein komplexes Bauproblem auf eine einfache Verkaufslogik zu reduzieren.

Unsere Erfahrung zeigt, dass eine Horizontalsperre nur dann dauerhaft funktioniert, wenn sie tatsächlich trennt. Sie muss mechanisch verständlich sein, langfristig wirken und ohne große Versprechen auskommen. Alles, was nur kurzfristige Effekte erzeugt oder auf Marketingargumente setzt, bleibt ein Risiko für das Gebäude.

Deshalb gehen wir bei diesem Thema bewusst einen anderen Weg. Wir betrachten jedes Bauwerk einzeln, hinterfragen gängige Lösungen kritisch und sagen auch klar, wenn eine Maßnahme technisch keinen Sinn ergibt. Nicht alles, was sich gut verkaufen lässt, ist auch fachlich richtig – und genau an diesem Punkt unterscheiden wir uns.

 

Präzise Feuchtemessung im Mauerwerk mit CM-Messgerät auf einer Baustelle
Die CM-Messung gehört zu den aufwendigsten, aber zuverlässigsten Methoden zur Bestimmung von Feuchtigkeit im Mauerwerk. Sie erfordert Erfahrung, Zeit und Sorgfalt – liefert dafür jedoch belastbare Ergebnisse für eine fundierte Entscheidung.

Und wie machen wir es dann?

Wir arbeiten nicht nach Systemen und nicht nach Verkaufslogik, sondern auf Basis von Erfahrung. Unser Betrieb ist ein Familienunternehmen, in dem sich mehrere Generationen mit genau diesen Problemen beschäftigt haben. Wissen wurde dabei nicht aus Prospekten übernommen, sondern über Jahrzehnte praktisch erarbeitet, weitergegeben und verfeinert. Viele Details, Arbeitsweisen und Entscheidungen entstehen aus Erfahrung – nicht aus Handbüchern.

Gerade bei Themen wie Horizontalsperren zeigt sich, wie wichtig diese Kontinuität ist. Man erkennt Zusammenhänge nicht nach einem Lehrgang, sondern erst, wenn man die Ergebnisse über Jahre beobachtet. Welche Maßnahmen halten stand, welche kommen zurück, welche verschieben das Problem nur. Diese Erfahrungen lassen sich nicht abkürzen und auch nicht kaufen.

Wir beschäftigen uns bis heute aktiv mit diesen Fragen. Nicht, weil es modern ist, sondern weil jedes Gebäude anders reagiert. Unsere Einschätzung entsteht aus dem Zusammenspiel von Material, Bauzeit, Nutzung und Schadensbild – und aus dem Wissen, was in ähnlichen Fällen langfristig funktioniert hat und was nicht.

Dass wir bei vielen Themen weiter sind als andere, ist kein Anspruch, sondern eine Folge davon, dass sich unser Betrieb seit Jahrzehnten ausschließlich mit solchen Bauproblemen auseinandersetzt. Wer über Generationen hinweg an denselben Fragestellungen arbeitet, entwickelt ein Verständnis, das über einzelne Verfahren hinausgeht. Genau daraus entsteht unsere Haltung – und unsere Art zu arbeiten

Als Familienbetrieb mit mehreren Generationen Erfahrung gehen wir an solche Themen bewusst anders heran.

 

Freigelegtes Mauerwerk während der Vorbereitung und Analyse vor einer individuellen Sanierungsentscheidung
Vor Beginn der eigentlichen Arbeiten wird das Mauerwerk freigelegt und beurteilt. Frühere Injektions- und Verpressungsversuche sind sichtbar, brachten jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Erst die genaue Analyse zeigt, welche Maßnahme technisch sinnvoll ist.

Wenn man es falsch macht, wird es teuer

Eine falsch ausgeführte Horizontalsperre bleibt selten ohne Folgen. Das Problem verschwindet nicht, sondern arbeitet weiter im Mauerwerk. Feuchtigkeit steigt nach wie vor kapillar auf, verteilt sich unkontrolliert und zeigt sich irgendwann erneut an der Oberfläche. Oft nicht dort, wo zuvor gearbeitet wurde, sondern versetzt – höher, seitlich oder in angrenzenden Räumen.

Ein besonders deutliches Warnzeichen ist Salpeter. Die weißen, kristallinen Ausblühungen entstehen, wenn Feuchtigkeit Salze aus dem Mauerwerk transportiert und an der Oberfläche ablagert. Salpeter ist kein optisches Problem, sondern ein klarer Hinweis darauf, dass die Feuchtebewegung im Inneren weiterhin aktiv ist. Wird hier nur überstrichen oder neu verputzt, kommt der Schaden zuverlässig zurück.

Bleibt die Feuchtigkeit dauerhaft im Wandaufbau, ist der nächste Schritt oft Schimmel. Nicht sofort, aber schleichend. Das Raumklima verschlechtert sich, Oberflächen kühlen aus, organische Materialien werden angegriffen. Was als „kleine Maßnahme“ begann, entwickelt sich zu einem gesundheitlichen und baulichen Problem.

Besonders teuer wird es, weil falsch gewählte Lösungen selten einmalig bleiben. Es wird nachgebessert, ergänzt, neu beschichtet oder erneut verputzt – ohne die Ursache wirklich zu beseitigen. Am Ende stehen mehrere Eingriffe, hohe Kosten und trotzdem kein dauerhaft trockenes Mauerwerk.

Genau deshalb ist dieses Thema kein Experimentierfeld. Eine Horizontalsperre, die nicht funktioniert, richtet mehr Schaden an, als wenn man gar nichts gemacht hätte. Sie wiegt in falscher Sicherheit und verzögert die richtige Entscheidung – oft um Jahre

Weiße Ausblühungen wie Salpeter sind ein klares Warnsignal für weiterhin aktive Feuchtigkeit im Mauerwerk.

Bleibt die Feuchtigkeit dauerhaft im Wandaufbau, ist Schimmel oft nur eine Frage der Zeit.

 

Wiederkehrende Feuchtigkeit in renovierten Räumen nach fehlgeschlagener Sanierung der Horizontalsperre
Die Aufnahme zeigt einen bereits vollständig renovierten Wohnraum. Trotz abgeschlossener Sanierungsmaßnahmen treten an der Wand erneut Feuchtigkeit und Verfärbungen auf. Der Schaden wird erst nach der Renovierung sichtbar – ein typisches Beispiel dafür, dass falsch gewählte oder unzureichende Maßnahmen langfristig zu zusätzlichen Kosten und erneuten Schäden führen.

Klare Worte zum Schluss

Horizontalsperren sind kein Mythos und kein Wundermittel. Sie funktionieren nur dann dauerhaft, wenn sie technisch sinnvoll gewählt und handwerklich richtig umgesetzt werden. Alles andere sind Versuche, ein physikalisches Problem zu vereinfachen – oft auf Kosten des Gebäudes.

Wer schnelle Lösungen sucht oder große Versprechen erwartet, wird früher oder später enttäuscht. Feuchtigkeit lässt sich nicht überlisten. Sie folgt ihren eigenen Regeln, unabhängig von Produktnamen, Druckangaben oder Garantiezetteln.

Wir halten es lieber ehrlich. Nicht jede Maßnahme ist sinnvoll, nicht jedes Gebäude braucht dasselbe und nicht alles, was sich gut verkaufen lässt, ist fachlich richtig. Genau deshalb sagen wir auch dann Nein, wenn es angebracht ist.

Eine funktionierende Horizontalsperre ist kein Produkt, das man einkauft. Sie ist eine Entscheidung, für die man Verantwortung übernehmen muss. Und genau diese Verantwortung tragen wir – für unsere Arbeit, für das Gebäude und für die Menschen, die darin leben.

Wer wissen möchte, ob und welche Maßnahme im konkreten Fall sinnvoll ist, kann sich unverbindlich an uns wenden.

 

Fertiggestellter Raum nach fachgerechter Abdichtung – Wandflächen sauber ausgeführt, Boden während der Arbeiten geschützt
Der Raum kurz nach Fertigstellung der Arbeiten. Die Wandflächen sind vollständig und sauber ausgeführt, der Boden während der Arbeiten geschützt. Das Foto zeigt den Zustand unmittelbar nach Abschluss – ohne Inszenierung, ohne Nachbearbeitung. So sehen Arbeiten aus, wenn Ursachen verstanden, Maßnahmen passend gewählt und handwerklich sorgfältig umgesetzt werden.

Häufige Fragen zur Horizontalsperre

Was ist grundsätzlich nicht verkehrt an einer Horizontalsperre?

Gar nichts.

Das Prinzip ist richtig und seit über 100 Jahren bekannt: Eine kapillare Feuchtewanderung im Mauerwerk muss unterbrochen werden. Früher geschah das mechanisch mit Sperrschichten aus Glas, Schiefer oder Metall. Das war sichtbar, dauerhaft und nachvollziehbar.


Warum funktionieren moderne Injektionsverfahren so oft nicht?

Weil sie versuchen, ein mechanisches Problem chemisch zu lösen.

Flüssigkeiten, Gele oder Cremes können in porösem, hohlem oder rissigem Mauerwerk keine gleichmäßige, durchgehende Sperre bilden. Sie verlaufen unkontrolliert und lassen genau dort Lücken, wo gesperrt werden müsste.


Was ist der Unterschied zwischen Horizontalsperre und Imprägnierung?

Eine Horizontalsperre trennt.

Eine Imprägnierung verlangsamt.

Viele Injektionsverfahren sind in Wahrheit nichts anderes als eine hydrophobierende Imprägnierung. Die Wand wirkt kurzfristig trockener, langfristig kommt die Feuchte zurück – oft stärker als vorher.


Kann Hochdruck eine bessere Verteilung im Mauerwerk erzeugen?

Nein.

Hoher Druck ersetzt keine gleichmäßige Struktur.

Ab einem gewissen Punkt schädigt Druck das Mauerwerk, vergrößert Risse oder sprengt schwache Materialien auf. Aussagen mit extremen Druckwerten sind meist Marketing – keine Bauphysik.


Warum hört man trotzdem so viele Erfolgsgeschichten?

Weil kurzfristige Effekte mit langfristiger Funktion verwechselt werden.

Frisch verputzte, beschichtete oder gestrichene Wände sehen zunächst trocken aus. Die eigentliche Feuchtebewegung im Mauerwerk bleibt jedoch bestehen.


Warum geben viele Firmen Garantie auf ihre Verfahren?

Weil Garantie nicht gleich Funktion bedeutet.

Viele Garantien beziehen sich auf Teilbereiche, Zeiträume oder Bedingungen, die mit der tatsächlichen Ursache nichts zu tun haben. Entscheidend ist nicht das Papier, sondern das Ergebnis nach Jahren.


Warum arbeiten viele Anbieter heute nur noch mit Putz und Beschichtung?

Weil sie selbst gemerkt haben, dass frühere Injektionsverfahren nicht dauerhaft funktionieren.

Putz und Beschichtung sind kosmetische Maßnahmen – keine Abdichtung und keine Horizontalsperre.


Ist jede Wand für eine Horizontalsperre geeignet?

Nein.

Material, Aufbau, Alter, Belastung und Nutzung entscheiden. Pauschale Lösungen funktionieren nicht. Genau deshalb scheitern so viele Standardverfahren.


Warum ist das Thema Horizontalsperre heute komplizierter als früher?

Weil heutiges Mauerwerk meist nicht massiv ist.

Lochsteine, Kalksandstein, saugende Ziegel, wechselnde Mörtel und jahrzehntelange Umbauten sorgen für ein inhomogenes Wandgefüge. Das lässt sich nicht mit einer Flüssigkeit „gleichmäßig absperren“.


Woran erkennt man unrealistische Versprechen bei Horizontalsperren?

An großen Worten und großen Zahlen.

Extremer „Hochdruck“, garantierte Trockenheit oder pauschale Lösungen für jedes Gebäude sind klare Warnzeichen. Seriöse Lösungen erklären Grenzen – sie versprechen keine Wunder.


Was passiert, wenn man eine falsche Lösung wählt?

Dann wird es meist teuer.

Die Feuchtigkeit bleibt, Salze wandern weiter, Schimmel entsteht – und am Ende muss erneut saniert werden. Eine falsch gemachte Horizontalsperre ist oft schlimmer als gar keine.


Wie geht ihr mit dem Thema Horizontalsperre um?

Individuell.

Ohne Verkaufssysteme.

Ohne Produktzwang.

Wir prüfen zuerst, ob und wie eine Horizontalsperre technisch sinnvoll ist – und sagen auch klar, wenn sie es nicht ist.


Warum seid ihr bei diesem Thema so kritisch?

Weil wir die Folgen sehen.

Seit Jahrzehnten.

In echten Kellern, nicht im Prospekt.

Diese Seite ersetzt kein Verkaufsgespräch.
Aber sie hilft, falsche Entscheidungen zu vermeiden.

Wer Fragen hat, bekommt Antworten.
Wer Versprechen sucht, ist bei uns falsch.

Horizontalsperren sind kein Produkt.
Sie sind Verantwortung.